Abstracts

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Am Anfang ein Traum (a) – Kind: Schicksal oder Masterplan?

Jahrtausende lang hat es diese Frage gar nicht gegeben. Innerhalb von knapp zwei Generationen ist jedoch hier ein zunehmend komplexes Spannungsfeld entstanden, das allen potentiellen Eltern Entscheidungen abverlangt. Welche Aspekte bei diesen Entscheidungen eine Rolle spielen (können) und wie der Umgang mit diesem Spannungsfeld erleichtert werden kann, soll Inhalt dieses Beitrags sein. Sowohl einige gesellschaftliche Rahmenbedingungen, als auch Faktoren aus der individuellen Geschichte potentieller Eltern sollen benannt und ihre unterschiedliche Relevanz für alle Betroffenen streiflichtartig beleuchtet werden.

Elisabeth Oedl-Kletter: Psychotherapeutin, Ärztin f. Allgemeinmedizin, EEH-Fachberaterin, Großmutter, Salzburg

 

 

Vom guten Beginn: Schwangerschaftsbegleitung und Trauma-Prävention

Bereits zu Beginn und während der gesamten Schwangerschaft wird nach heutigem medizinischen Standard eine zunehmende Anzahl von Untersuchungen durchgeführt, die in vielen Fällen subjektiv mehr zur Verunsicherung als zur Beruhigung beiträgt. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Leistungsdruck auf werdende Mütter und familiäre Ressourcen sind insbesondere in den Städten mitunter kaum mehr vorhanden.

Im Vortrag werden einfache und gleichzeitig wirksame Methoden aus "Bindung durch Berührung" und der "Emotionellen Ersten Hilfe" beleuchtet, die geeignet sind, innere Kraftquellen aufzusuchen, dort Antworten zu finden und gleichzeitig den Kontakt zwischen der Mutter und ihrem ungeborenen Kind behutsam zu fördern.

Für die zweite Hälfte der Schwangerschaft werden körperorientierte Wege aufgezeigt, die als Prävention vor schwierigen Geburtserfahrungen dienen und sowohl von den Eltern als auch den professionellen Begleitern adaptiert werden können.

Mechthild Deyringer: Physiotherapeutin, Heilpraktikerin, Referentin für Emotionelle Erste Hilfe, Leitung der Praxis für Eltern und Kind in München, seit 35 Jahren in dem Feld der frühen Prävention tätig.

 

 

Vom Geburtstrauma zur Bindung: Grundlagen und Beobachtungen in der Eltern-Säugling-Psychotherapie

Wie erlebt das ungeborene Kind eine schwierige und überwältigend verlaufende Geburt? In welcher Weise beeinträchtigen Kontaktabbruch und traumatischer Stress während des Geburtsprozesses die spätere Bindungs- und Regulationsfähigkeit des Säuglings? Und welche spezifische Körper- und Ausdruckssprache zeigen Babys, um ihre prä- und perinatalen Erfahrungen mitzuteilen?

In diesem Vortrag wird der Bremer Körper- und Babytherapeut Thomas Harms über praktische Beobachtungen in der Aufarbeitung von traumatisch bedingten Bindungsstörungen mit Eltern und Säuglingen berichten. Dabei vertritt er die These, dass nicht die Wiederholung und Durcharbeiten der Schwangerschafts- und Geburtstraumata im Zentrum der körperpsychotherapeutischen Arbeit steht. Vielmehr konzentriert sich sein bindungsbasierter Ansatz darauf, die verloren gegangene Beziehungssicherheit zwischen den Eltern und ihren Babys in der Gegenwart wieder herzustellen.

Anhand von Videobeispielen wird demonstriert, wie nur durch eine Synthese von bindungs-, achtsamkeits- und pränatalen Zugängen eine umfassende Integration von prä- und perinatalen Entwicklungstraumata gelingen kann.

Thomas Harms

Dipl. Psych., leitet das Zentrum für Primäre Prävention und Körperpsychotherapie (ZePP) in Bremen. Seit über 25 Jahren beschäftigt er sich mit der Entwicklung von präventiven und körperpsychotherapeutischen Konzepten für die Arbeit von geburts- und bindungstraumatisierten Säuglingen und (Klein-)Kindern.

 

Kindlicher Schlaf - Traum oder Albtraum?

Das kindliche Schlafverhalten stellt für viele Eltern eine große Herausforderung dar. Nicht selten wird das Schlafthema zu einer zentralen Belastungsprobe für die gesamte Familie. Zusätzlich drängen sich Fragen aus dem unmittelbaren Umfeld auf. "Schläft dein Kind schon durch?" ist eine davon, mit welcher Eltern regelmäßig konfrontiert werden. Die Antwort darauf gilt häufig als wichtiges Maß für gesellschaftsgerechte Kindererziehung. Entspricht das kindliche Verhalten diesen Erwartungen nicht, stellen sich Eltern in Frage. Die Zweifel am eigenen Tun werden genährt. Nicht selten übernehmen Eltern daraufhin verstärkt die Verantwortung für das kindliche Schlafverhalten und versuchen den Schlafrhythmus des Kindes zu steuern und kontrollieren. Die Unzahl der Empfehlungen und gutgemeinten Ratschläge aus den verschiedenen Medien und von Seiten des Gesundheitspersonals verstärken diese Dynamik. Diese Informationen sind vielfältig, oft widersprüchlich und selten zielführend, verunsichern sie doch viele Eltern zusätzlich. Das Thema Schlafen spitzt sich weiter zu und wird zum Albtraum.

Wie können Eltern diesem Sog der Schwächung entfliehen?

Einerseits ist die Vermittlung des Wissens rund um die kindliche Schlafphysiologie ein entlastender Punkt für Familien, denn die Erwartungen an das kindliche Schlafverhalten stehen oft in großer Diskrepanz zu den kindlichen Bedürfnissen und seinen Entwicklungsschritten.

Des Weiteren bietet das Konzept der Emotionellen Ersten Hilfe einen wichtigen Begleitungsansatz. Die EEH stellt die Bindungsförderung zwischen Eltern und Kind zentral in den Fokus. Werden sonst Lösungen oft beim Kind durch eine Verhaltensänderung gesucht, so geht es hier darum, Eltern dahin zu begleiten, die Dynamik hinter der Krise zu erkennen und die Gefühls- und Körperreaktionen, welche diese belastende Situation hervorruft, wahrzunehmen und anzuerkennen. Eltern setzen sich und ihre Bedürfnisse in Belastungssituationen oft zurück. Für den Aufbau und die Stärkung eines sicheren, wertfreien Bindungsfeldes ist ein gutes "Bei-sich-Sein" aber Grundvoraussetzung. Erst ein solcher Raum ermöglicht Entspannung, eine zentrale Voraussetzung für Hingabe. Dieses haltgebende, erwartungsfreie Umfeld ermöglicht es, sich fallen zu lassen, ein wesentlicher Faktor für den Schlafverlauf.

Im gesamten Begleitungsverlauf werden Eltern dabei unterstützt einen individuellen Weg für sich als Familie zu finden, fernab von Ideologien und Vorstellungen, abseits von beratschlagenden Belehrungen.

Barbara Walcher

Kinderkrankenpflegerin, Fachberaterin für Emotionelle Erste Hilfe, Stillberaterin IBCLC, arbeitet nach 20jährigerklinischer Tätigkeit in eigener Praxis in Brixen, Italien

 

Das Trauma der Liebe - Selbstbegegnungen mit dem Anliegensatz

Für eine gesunde psychische und körperliche Entwicklung sind wir Menschen auf liebevollen Kontakt existenziell angewiesen. Dieses Kontakt- und Liebesbedürfnis richtet sich in erster Linie an unsere Mutter, weil wir zunächst in ihr wachsen und uns neun Monate lang entwickeln. Was aber geschieht, wenn unsere Mutter uns nicht liebt? Uns keinen liebevollen Kontakt anbietet? Uns nicht wünscht, nicht haben will oder gar versucht hat, uns abzutreiben? Die Folgen des Nicht-Geliebtwerdens von unserer Mutter sind für unsere weitere Entwicklung fundamental und vielschichtig. Sie stellen das grundlegende Trauma für einen Menschen dar. Es bedarf erheblichen therapeutischen Aufwands, ein Trauma der Liebe zu heilen.

Wer bin Ich? Die "Selbstbegegnung mit dem Anliegensatz" ist die methodische Umsetzung der "Identitätsorientierten Psychotraumatheorie". In dieser Theorie sind die Erkenntnisse gesammelt, was uns Menschen traumatisiert: das Trauma der Identität, das Trauma der Liebe, das sexuelle Trauma und die Täter-Opfer-Spaltung. So wird es Schritt für Schritt möglich, unsere Traumata zu heilen.

Franz Ruppert

Dr. phil., Professor für Psychologie an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis in München, Autor von 8 Fachbüchern, Begründer der "Identitätsorientierten Psychotraumatheorie" und der "Selbstbegegnung mit dem Anliegensatz". Er bietet Seminare und Weiterbildungen weltweit an. Nähere Informationen: www.franz-ruppert.de

 

Von Anpassungsleistungen zum flexiblen Nähe-Distanz-Verhalten – Das Zürcher Modell als Erweiterung der Bindungstheorie

Anhand von Beispielen und Bildern aus der Eltern-Baby- und Kleinkind-Gruppenarbeit wird in diesem Beitrag dasZürcher Modell von Norbert Bischof vorgestellt. Das Entweder-Oder des klassischen bindungstheoretischen Modells wird – auf das gesunde Kind bezogen - durch ein Sowohl-als-Auch der flexiblen Nähe-Distanz-Organisation erweitert.

Bekommen Baby und Kleinkind allerdings nicht das, was sie brauchen, äußert sich das vor allem darin, dass Beweglichkeit und Pulsation Schritt für Schritt verloren gehen.

In welchen Stufen reguliert das Kind seine Bedürfnisse herunter?

Wann wird es für die Psyche des Kindes gefährlich?

Und wie kann sich Anpassungsverhalten wieder verändern?

Was braucht es, damit das Verhalten des Kindes wieder in Fluss kommt?

Ursula Henzinger

Dipl. Päd., Humanethologin, Obfrau von ZOI-Tirol (Ausbildung für Fachleute und Begleitung für Eltern, Baby und Kleinkind - http://www.zoi-tirol.at), Leiterin des Teams AFB-Schwerpunkt Bindung (Zusammenarbeit von ZOI mit dem Samariterbund und der Kinder- und Jugendhilfe Tirol)

 

 

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